Alexandra Flury-Schölch

Persönliche Erdbeerausläufer

Erdbeeren<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>reformiert-solothurn.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>145</div><div class='bid' style='display:none;'>2275</div><div class='usr' style='display:none;'>10</div>

Die Blüte der Erdbeere galt Martin Luther als Symbol für die reformatorische Erneuerung. Zu 500 Jahre Reformation lud die Kirchgemeinde Solothurn ein, Erdbeerablegern nachzugehen. Welche Erlebnisse und Erkenntnisse haben Wurzeln geschlagen und treiben neue Rosetten über das Jubiläumsjahr hinaus? BesucherInnen teilen ihre persönlichen Erbeerausläufer.
Alexandra Flury-Schölch,
Alexandra Flury-Schölch und Désirée Antoniette von Steiger haben einen Blick ins Gästebuch der Ausstellung geworfen und Stadtspaziergänger*innen und Besucher*innen der Zentralbibliothek und der Konzerte zum Reformationsjubiläum gefragt: "Was hat beeindruckt, was wirkt weiter?"

Erdbeerausläufer!?

Ich bin mir nicht sicher, ob das mit den Erdbeerausläufern stimmt. Müssen Revolutionen und Reformationen nicht letztlich von jeder Generation jedes Mal von neuem gemacht werden? Meine Erfahrung sagt: Es kann nicht weitervererbt werden.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Für mich gibt es Erdbeerausläufer: All das, was Auswirkungen hatte bzw. hat. Alles, was Ausstrahlung hat in das Leben hinein; auch in die Politik und in die Wirtschaft hinein.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Ich sehe die Erdbeerausläufer, aber wenn man sie nicht pflegt, sterben sie ab.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Ich habe ganz neue Erdbeerausläufer entdeckt! Ich dachte immer die Reformation sei nur: Denken, Worte, Reden. Darum gehe ich auch nicht in den Gottesdienst. Mir ist eben die Musik für meine Spiritualität sehr wichtig. Aber im Konzert mit dem Collegium Vocale hat sich mir ein reicher Schatz an Musik und Kirchenliedern aufgetan.
Konzertbesucherin

Ein weiterer Horizont täte gut! Die Erdbeerausläufer sind weit verbreitet: Eindrücklich, was die Reformation weltweit bewegt hat!
Susan Allemann Jenkins, Feldbrunnen

Bei allen positiven Ausläufern, die negativen nicht verleugnen: Ich war geschockt zu hören, wie sich Luther zu der Judenfrage stellte ..., das wusste ich gar nicht. Die Glaubenskriege zwischen den Katholiken und Reformierten waren sehr schlimm! Da sind wir heute schon sehr weit gekommen mit der Ökumene und dürfen diese Bemühungen nie vernachlässigen.
Susan Allemann Jenkins, Feldbrunnen

Was heisst Reformiertsein?

Unser Gespräch in der Ausstellung hat mich angeregt, mich noch vertiefter mit der Reformation auseinanderzusetzen und mehr zu diesem Thema zu lesen. Es gab mir den Impuls, mir die Reformation noch näher zu Herzen zu nehmen.
Ursula Zellweger, Solothurn

Reformiertsein heisst Freiheit: Juppee!
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Allerdings so frei, dass man nichts mehr wissen, glauben und feiern muss. Das kann positiv sein. Aber andererseits: Wenn man Wissen, Glaubensüberzeugungen, Feiern nicht gemeinsam pflegt, gehen sie verloren.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Um was es den Reformatoren ging, bringe ich nun so auf den Punkt: Weniger Gesetzmässigkeit. Mehr Liebe.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Unser Gespräch in der Ausstellung war ein bereichernder Austausch. Wir haben festgestellt, dass die Menschen vor 500 Jahren dieselben Ängste, Sehnsüchte, Bedürfnisse und Erwartungen hatten wie wir heute. Was ich in meinen Alltag mitnehme: Ich denke, dass die Reformation kontinuierlich in uns selber stattfinden muss, damit wir ein Gleichgewicht – Einklang und Harmonie – finden: in uns selber und mit anderen Menschen. Wir müssen uns den Herausforderungen des Lebens stellen, wie die Reformatoren, so auch heute –- mit Hilfe kritischen Denkens und Handelns. Dies setzt natürlich voraus, dass wir immer wieder «Bilanz ziehen» (Zwingli) und unser Handeln, unsere Glaubenssätze hinterfragen.
Claudia Baschung, Derendingen

Im Gespräch in der Ausstellung wurde spürbar, was gemeint ist mit: «Wir sind, bevor wir tun». Dass wir von Anfang an schon jemand sind und uns nichts verdienen müssen. Dass es einen wesentlichen Unterschied macht, von den Ansprüchen an sich selbst – besser und anders sein zu müssen – befreit zu sein, sich mit wertschätzendem und liebevollen Blick anzunehmen. Dann würden wir auch den anderen fröhlicher, freundlicher, freier begegnen. So reformiert zu sein – das würde wahrscheinlich auch unser Umfeld verwandeln.
Désirée Antonietti von Steiger, Solothurn

Es hat mich wieder beeindruckt, dass es bei Luther wirklich darum ging, dass jeder Mensch zu einem persönlichen Glauben kommt, Zugang zur Bibel hat und selber liest, nachdenkt, sich berühren lässt, betet.
Susan Allemann Jenkins, Feldbrunnen

Für mich ist das grösste Geschenk der Reformation die Freiheit zur persönlichen, individuellen Gottesbeziehung. Damit ist gleichzeitig eine grosse Verantwortung verbunden: eine immer neue, fortdauernde Auseinandersetzung mit dem Wort der Bibel – eine Auseinandersetzung mit andern zusammen – und ein Umsetzen eventuell gewonnener Erkenntnis ins tägliche Leben.
Die Reformationszeit vor 500 Jahren brachte ein neues Menschenbild in die Gesellschaft – wieder mal wie in vielen Epochen vorher schon.
Jesu Worte. «Ihr seid das Licht der Welt» konnte für viel Menschen, ganze Völker zur Befreiung werden. Indem das Wort aus der Bibel für viel mehr Menschen direkt zugänglich wurde, konnten Erkenntnisse für die persönliche Lebensgestaltung gewonnen werden. Freiheit, Wertschätzung, Wissen, dass ich allumfassend geliebt bin – dass ich diese Werte nicht verdienen muss, sondern vom Anfang an geschenkt bekommen habe. Leider rief die neue Erkenntnis auch die gegenteiligen Kräfte hervor, welche mit allen Mitteln die Freiheit bekämpfen mussten.
SiIvia Kurt, Solothurn

Ich habe die Führung durch die Zentralbibliothek geleitet. Bei der Vorbereitung ist mir greifbar geworden, wie gross der innere Zusammenhang ist zwischen Humanismus und Reformation! Ganz besonders auf die Schweiz trifft das zu: Die Reformatoren (Zwingli, Calvin, Oekolampad, Vadian u.a.) waren intellektuell auf der Höhe – in einer Zeit, die wissenschaftlich und weltanschaulich durch Umbrüche und Aufbrüche geprägt war. Die Reformatoren entwickelten ihre theologischen Überlegungen aus ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen, und das schlug sich auch in der Glaubenspraxis nieder. Beginnende Aufklärung und Glaube bildeten also keinen Gegensatz, im Gegenteil: die Wissenschaften gaben dem Glauben neue und fruchtbare Impulse!
Ich habe mich gefragt: Wo ist das Erbe der Aufklärung in der reformierten Kirche von heute geblieben? Wie steht die Kirche heute zur Wissenschaft? Kann man wissenschaftliche Erkenntnisse und Glauben nicht mehr vereinen? Müsste der reiche wissenschaftlich-theologische Rucksack aus dem Studium an der Universität, den unserer Theologen und Theologinnen mitbringen, nicht viel sichtbarer und hörbarer werden im Kirchenschiff?
Ian Holt, Solothurn

Die Führung durch die Bibliothek machte mir eindrücklich bewusst, welche Rolle die Medien spielen bei der Verbreitung oder Unterdrückung von Ideen. Wer die Medien kontrolliert, hat die Macht: Welche Möglichkeit hatte die reformatorische Minderheit im katholischen Solothurn? Sie nahm Einfluss auf die Druckereien, und diese befanden sich alle in den reformatorischen Städten Basel, Bern und Zürich. Medien können Einfluss nehmen – zum Schaden, wenn Medien von kontrolliert werden – oder manchmal auch, um sich zu wehren und Dinge publik zu machen. Heute sind Flugblätter und Bücher abgelöst durch die digitalen Medien und Social Media. Für die Wahrnehmung der Kirche in der Gesellschaft spielen diese wohl eine viel grössere Rolle (und könnten in Zukunft eine noch bedeutendere Rolle spielen) als wir uns dessen im Moment bewusst sind, im negativen wie im positiven.
Alexandra Flury-Schölch, Solothurn

Was ich mir wünsche im Blick auf Reformation heute

Damals war klar, was Stein des Anstosses war. Aber heute? «Leere» Kirchen, Mitgliederschwund, vielfach fehlende Junge. Was machen wir falsch, wenn doch z.B. freie Kirchen auf zahlreiche Menschen und auf viele Junge als aktive Mitglieder zählen können? Was gibt heutigen Menschen Halt, wenn es nicht der Glaube an Gott ist? Materialismus, Konsum, etc.? Die Reformation ist ein permanenter Prozess ohne Ende.
Marie-Lise Studer, Stadtführerin

Was tut heute not? Weniger Ich, mehr Wir. Vom Individualismus wieder zur Gemeinschaft.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Kirchensprache ist Fremdsprache! Bitte heute auch wieder – wie Martin Luther damals – «dem Volk aufs Maul schauen».
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Reformation brachte Reduktion. Vom viele auf das Wesentliche. Damals Reduktion aufs Wort. Heute Reduktion von vielen Bildern auf wesentliche Bilder, der heutigen Generation zuliebe.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Schade, dass die Reformierten sich so drastisch von Bildern, Farben, Schmuck und Verzierungen in den Kirchen trennten. Dadurch erscheinen viele reformierte Kirchen sehr karg und leer.
Susan Allemann Jenkins, Feldbrunnen

Reformation heute? Ja, hin zu einem Gottesbild jenseits des Patriarchats und der Männlichkeit. Auch die Feministische Theologie war eine Reformation und diese hat ihre Erdbeerausläufer hinterlassen. Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Heute, so finde ich, lebt und atmet der Geist von Freiheit, Achtsamkeit, Wertschätzung meines Nächsten, der Natur, diesem Planeten Erde, auf dem wir leben, wieder wie ein Frühlingslüftchen rund um die Welt. Doch gewaltige Stürme wollen diese Kraft verhindern und zurückbinden in Angst und Unfreiheit.
Reformation hört nie auf, solange dieser Planet atmet und wir atmen können. Es ist wieder eine Umbruchszeit. Mein kleiner Beitrag dazu ist: Tag für Tag zu üben, mich selbst zu lieben und meinen Nächsten genauso.
SiIvia Kurt, Solothurn

!!Danke!! Für die gute anschauliche Ausstellung. Der Re-Formationsgedanke lebt. Danke, dass die Aktualität der Reformation dargestellt wurde.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung

Den Glauben leben; weniger reden, mehr tun; was wir sagen auch leben.
Aus dem Gästebuch der Ausstellung
Bereitgestellt: 23.02.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch