Otfried Pappe

Was Menschen bewegt

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Der Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben und die Frage nach Bestimmung bewegen uns in verschiedenen Lebensphasen anders. Die Veranstaltung zur ökumenische Erwachsenenbildung in Selzach lädt alle Generationen zu zwei Abenden mit Geschichten, Austausch und Diskussion zum Thema «Selbstbestimmt leben» ein.
Otfried Pappe,



Ökumenische Erwachsenenbildung
Kirchgemeindehaus Schänzli, Selzach

Dienstag, 22. Januar, 19.30 Uhr
LebensexpertInnen erzählen
Verschiedenen Generationen erzählen von ihren Träumen und Erfahrungen von selbstbestimmtem Leben im Wandel der Lebensphasen.
In den anschliessenden Gesprächsgruppen werden die Fragen für den zweiten Abend formuliert.

Dienstag, 29. Januar, 19.30 Uhr
Was heisst selbstbestimmt leben?
Personen, die mit einer oder mehreren Generationen arbeiten, diskutieren auf dem Podium Fragen nach dem selbstbestimmten Leben.



Ich war Anfang dreissig und mit einer KonfirmandInnengruppe im Lagerwochenende. Die Mädchen prüften mich auf meine Freundschaftstauglichkeit. Die Anleitung dazu fanden sie in einem unter TeenagerInnen beliebten bunten Magazin. Nachdem ich alle Fragen wahrheitsgemäss beantwortet hatte und in der TeenagerInnenrunde nach dem Ergebnis des Tests fragte, bekam ich nur ein verlegenes Grinsen zur Antwort. Als ich dann ging und die Tür hinter mir schloss, hörte ich plötzlich ein lautes, fast befreiendes «Der Alte, der spinnt wohl!».

Von diesem Moment an war ich mir meines Alters bewusst. Seither ist ein Vierteljahrhundert vergangen, und die Differenz zwischen der Eigen- und Fremdwahrnehmung des Alters wird mir mit jeder KonfirmandInnengruppe immer wieder neu gegenwärtig. Die Zeit aber hat es mit sich gebracht, dass auch ich inzwischen Geschichten aus dem Leben erzählen kann und nicht nur mit offenen Ohren anderen zuhöre. Geschichten von schönen Erlebnissen, schmerzhaften Erfahrungen oder Träumen. Was davon habe ich leben können und wo träume ich noch? Warum hat sich mein Leben so gefügt, wie Urkunden, Dokumente, Briefe oder Fotos es skizzieren? Wer hat mich wie beeinflusst und wo bin ich meinen Weg selbstbestimmt gegangen? Woran bin ich gewachsen oder gescheitert?

Lebenswegen nachzugehen, ergibt wohl die spannendsten Geschichten, die erzählt werden können. Mit der Pubertät wächst in uns die Vorstellung eines von Selbstbestimmung geprägten Lebens. Was aber bedeutet selbstbestimmt leben in den verschiedenen Lebensphasen? Ein weit über 80-jähriger Mann im Altersheim gab mir einmal auf die Frage, wie er die Weihnachtstage verbracht habe, zurück: «Ich war unter Menschen.» Eine Antwort, die mich sehr ernüchterte und mir für einem Moment die Sprache verschlug. Dabei trug sie eine klare Botschaft in sich: Ich war nicht allein, und das war entscheidend. Stelle ich diese Erfahrung neben die Träume junger Menschen von einem selbstbestimmten Leben, ahne ich den Wandel dieses Traums im Leben eines Menschen, der doch immer gleiches erträumt.

Welche Möglichkeiten bieten Gesellschaft und Kirchen den Menschen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten? Selbstbestimmt heisst auch immer, sich für etwas bestimmen, also entscheiden und damit das eigene Leben mit dem anderer zu verschränken. Dies kann gesellschaftliches oder politisches Engagement sein. Es kann bedeuten, aktiv in der Kirchgemeinde oder einem Verein tätig zu sein oder einen Menschen zu pflegen. Sich selbst für etwas bestimmen öffnet viele Möglichkeiten. Daraus erwachsen berührende Geschichten die vom Gelingen und Scheitern erzählen, also vom Leben. Davon erzählt auch die Bibel in reichem Masse: Von Menschen, die in Entscheidungssituationen standen und sich selber auf ihre «Bestimmung» hin geprüft haben.

Unser ökumenisches Bildungsangebot greift dieses Thema auf. An zwei Abenden möchten wir die Generationen miteinander ins Gespräch bringen und biblische Stimmen befragen. An beiden Abenden sind alle zum Abschluss zu einem weiteren Gedankenaustausch und Apéro eingeladen.

Bereitgestellt: 10.01.2019     
aktualisiert mit kirchenweb.ch