Samuel Stucki

Bruno Ganz - Leidenschaft im Wesentlichen

Bruno Ganz<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>reformiert-solothurn.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>11</div><div class='bid' style='display:none;'>3219</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Wenn prominente Personen sterben, so steht dies in den Zeitungen. Am
Fernsehen sieht man einen eilends zusammengestellten Lebensrückblick.
Man meint den Menschen zu kennen.
Doch was steckt hinter den Schlagzeilen? Was machte das Leben des
Prominenten aus? Was hat ihn oder Sie bewegt?
In meinen Betrachtungen schaue ich hinter die Fassade des ersten
Eindrucks.
Ich frage, was das gelebte Leben von
innen her ausgemacht hat?
Was weist über das Leben hier auf Erden
hinaus auf das Ewige?
Samuel Stucki,
Bruno Ganz…..Leidenschaft im Wesentlichen


Er ist der GANZ Grosse: Schauspieler aus innerer Leidenschaft.

Schon als Kind war es sein Wunsch, Schauspieler zu werden. Bruno Ganz, der Sohn eines Fabrikarbeiters und einer Italienerin.

Bruno Ganz konnte alles spielen. Er ist ganz oben.
Er konnte dem niederträchtigsten Menschen (Adolf Hitler in: Der Untergang) eine Spur Menschlichkeit geben, ohne gleich zur Komödie abzugleiten.
Er konnte dem knorrigen Alpöhi eine Wärme verleihen, ohne kitschig zu sein.

Menschliches Scheusal und liebender Grossvater: wer das glaubwürdig zu spielen vermag, der ist nicht nur ein Ausnahmetalent, er hat Wesentliches des Menschseins erfasst.

Bruno Ganz spielte seine Rollen nicht, er lebte sie. Man kann sich daher der Ausstrahlung seiner Arbeit nur annähern, sie nie zu Ende diskutieren. Er konnte in eine einzige Frage alles stecken. Einzelne Sätze wurden bei ihm zum Schlüssel der ganzen Geschichte: im Film "Vitus" spielt er den Grossvater des Wunderkindes Vitus. Anlässlich eines Festes fragt er nach seinem Grosskind. In vier Worten drückt er alles aus: seine warmherzige Beziehung zum Enkel, seine Sorge um ihn und auch seine Haltung gegenüber dem Rest der Welt. Bei Bruno Ganz genügte eine einzige Frage, die er wie beiläufig stellt: „Wo isch der Vitus?“ –

Bruno Ganz hasste es geradezu, über seine Arbeit zu diskutieren. Es langweilte ihn, es machte ihn aggressiv. Warum auch sollte man seine Arbeit in Worte fassen? Es ist unmöglich. Seine Rollen drücken eben mehr aus, als alle Worte. Darin liegt das Wesen aller Kunst, die die Zeit überdauert.

Wahre Kunst darf man nicht zerreden. Man muss sie wirken lassen.
Das Wesentliche entzieht sich unseren Möglichkeiten.
Wer masst sich an, zum Beispiel das Werk Michelangelos zu erklären?
Wer möchte schon den Blick in die Augen des geliebten Menschen in Worte fassen?
Wer eine Berührung nach einem Streit?

Bruno Ganz lässt uns in seinen Filmen Wesentliches erleben. Er legt den Finger in unser Herz und fragt: Wie steht es bei Dir? Wo lebst Du oberflächlich, wo wesentlich?

Bruno Ganz: das ist der Massstab.
Eine Klasse für sich. Ganz und gar. Ich ziehe den Hut, und sage: Danke.
Bereitgestellt: 23.02.2019     Besuche: 83 Monat 
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