Adrian Herrmann

Beten mit Apps

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Als pilgernder Pendler unterwegs: Dominik von Allmen-Mäder.

Nicht alle haben die Möglichkeit, pilgern zu gehen. Spiritualität kann man aber auch im Alltag pflegen. Zum Beispiel mithilfe von Apps. Ein kleiner Erfahrungsbericht.
Dominik von Allmen-Mäder, Theologe
«Ich bin dann mal weg», betitelte der deutsche Komiker Hape Kerkeling seinen Reisebericht vom Jakobsweg. Und brachte damit auf den Punkt, wonach sich Menschen immer wieder sehnen: Alles hinter sich lassen, aufbrechen und nach dem Ausschau halten, was wirklich zählt. Müsste ich ein solches Buch schreiben, trüge es den Titel «Ich bin dann mal im überfüllten Pendlerzug auf dem Weg zur Arbeit.» Nicht das, was man sich unter Spiritualität so vorstellt.

Tatsächlich bete ich aber mehr, wenn ich unterwegs bin. Das funktioniert bei mir etwa so: Ich setze mich im Halbschlaf in den 6.44-Zug von Biel nach Zürich, nehme einen Schluck aus meinem Kaffeebecher, zücke mein iPhone und öffne die App «XRCS». Während der Zug durch die Dämmerung rollt, führt mich «XRCS» durch verschiedene Schritte des Nachdenkens und Betens: «Nimm dir einen Moment der Stille. Wonach sehnst du dich jetzt? Teile deine Sehnsucht mit Gott.»

Neben der App «XRCS» gibt es weitere Möglichkeiten. Verschiedene Kirchen haben sich der ständig mobilen Smartphone-User angenommen. Zwei Beispiele: «from» bietet für jeden Tag Texte, Bilder und Musik für alle, die ihren Zugang zum Glauben über Literatur und Kunst finden. Ab Januar bespielt das Ref-Lab (reflab.ch) alle Podcast-Kanäle sowie Youtube, Twitter und Instagram mit spannenden Gesprächen über Glauben, Gott und die Welt. Es muss also nicht immer eine Pilgerreise sein. Denn eigentlich ist gerade unser Arbeitsalltag nahe an dem, was im christlichen Glauben stets als Ort der Begegnung mit Gott gesehen wurde. Die benediktinischen Mönche haben sich die Verbindung von «ora et labora» (Beten und Arbeiten) zum Grundsatz gemacht. Die Reformatoren haben das weltliche Berufsleben als Gottesdienst verstanden. Nichts gegen den Jakobsweg – aber man kann auch als PendlerIn pilgern.
Bereitgestellt: 23.03.2020     Besuche: 64 Monat