Beten mit Kranken

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Um Kraft bitten: Um diese Situation aus- und durchzuhalten.

Der Respekt ist gross, wenn ich kranken Menschen ein Gebet vorschlage.
Elsbeth Hirschi Glanzmann,
«Gott, Du weisst …» Das sind oft die ersten Worte, die ich mit einem kranken Menschen bete. Ja, Gott weiss, wie sich die Person gerade fühlt, wie es um sie steht und was sie braucht. Gott weiss, was wir zuvor miteinander gesprochen haben. Trotzdem tut es gut, dies nochmals in Worte zu fassen, zu bündeln und bewusst in Gottes Ohren und Hände abzulegen. In den Gebetsanliegen meines Gegenübers zeigen sich seine Wünsche und Ziele.

Gemeinsam zu beten ist etwas sehr Persönliches, ja Intimes. Davor habe ich grossen Respekt, so dass es mich oft auch Überwindung kostet, bei mir nicht bekannten Personen ein gemeinsames Gebet anzubieten. Welche Erfahrungen hat mein Gegenüber mit Beten? Was ist, wenn das Gebet nicht erhört wird? – Wir können von Gott nicht erwarten, dass alle unsere Wünsche in Erfüllung gehen. So ist es wichtig, in einer Haltung zu beten, die Gott Raum lässt. Ja, Gott weiss, dass diese Person wieder gesund werden und jene lieber sterben möchte. Da wird der Satz im nachfolgend gemeinsam gebeteten «Unser Vater» umso wichtiger: «Dein Wille geschehe» – nicht meiner. Wir haben nicht alles in der Hand und nicht alles ist machbar. Beim Beten geht es vielmehr darum, um Kraft zu bitten, diese Situation aus- und durchzuhalten. Es geht darum, das Vertrauen zu stärken, dass Gott Wege für uns weiss, die wir jetzt noch nicht sehen können. Es geht um Ermutigung und Zuversicht trotz allem.

Nach dem freien Gebet und dem anschliessenden gemeinsamen «Unser Vater» bleibe ich jeweils einen Moment still, um das Gebet wirken zu lassen. In diesem dichten Moment wird spürbar, dass hier noch eine andere Dimension anwesend ist: «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.» Vieles bewegt oder legt sich in meinem Gegenüber. Die Person wird ruhiger, oder es lösen sich Tränen. Wenn ich mich verabschiedet habe und gehe, ist Gott immer noch da.

Pfarrerin Elsbeth Hirschi Glanzmann

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Bereitgestellt: 06.04.2020