Himmlisch geerdete Events – 5. Bezirkskirchentag in Biberist-Gerlafingen

Ulrich_Knellwolf_Bezirkstag_Foto_US —  Eröffnungsrede Ulrich Knellwolf am 5. Bezirkskirchentag in der Thomaskirche Biberist-Gerlafingen.<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>reformiert-solothurn.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>194</div><div class='bid' style='display:none;'>1761</div><div class='usr' style='display:none;'>98</div>

Die Idee zu einem Bezirkskirchentag wurde zum 5. Mal umgesetzt und stand unter dem Motto «Wie im Himmel, so auf Erden». Wie es war und worauf es ankommt: Ulrich Knellwolf führte aus, wo sich das christliche Leben abzuspielen hat.
Urs Scheidegger,
Zweifellos hat Luther die Entwicklung der deutschen Sprache beeinflusst wie kein anderer. Und ohne ihn gäbe es die reformierte Kirche so nicht. Doch wer auf die zahlreichen Publikationen blickt, die zum Jubiläum erschienen sind und weiter erscheinen, stellt rasch fest: Gedenkjahre können auch ermüden und lassen einen abstumpfen. Ist das Luther-Jahr etwa vorbei, bevor es richtig angefangen hat?
Zum Glück gibt es unabhängig vom kirchlichen Jahreszyklus Veranstaltungen, die diese Frage so mir nichts dir nichts nicht einfach bejahen. Die Eröffnungsveranstaltung zum » https://www.reformiert-solothurn.ch/bericht/84 5. Bezirkskirchentag am 9. Juni – er stand unter dem Motto «Wie im Himmel, so auf Erden» und umfasste unter anderem Pantomime, Bibelarbeit, Tanz-Workshop, Kinderkonzert und kulinarischen Freuden – war so ein Anlass. Den Organisatoren der reformierten Kirchgemeinde Biberist-Gerlafingen war es gelungen, mit Ulrich Knellwolf einen Seelsorger im besten Sinn des Wortes zu holen, der kongenial global-lokal Gegenwart mit Vergangenheit in bester Predigttradition zu verknüpfen verstand.

Das Gebet des Herrn
Ins Zentrum seiner knapp einstündigen Ausführungen rückte Knellwolf das «christliche Mustergebet in seiner zupackenden Sprache»: das «Unser Vater». Das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums – gleichsam als Kurzfassung der Bibel – und das einzige, das nach dem Neuen Testament Jesus Christus selbst seine Jünger gelehrt hat, brachte Knellwolf in Verbindung mit der Bedeutung 500 Jahre Reformation. Deren herausragendstes Verdienst sei letztendlich ebenfalls eine sprachliche Meisterleistung, nämlich die Übersetzung der Bibel durch Luther in die Sprache des Volkes. Die Reformation tat damit das gleiche wie mehr als 1400 Jahre vorher der Apostel Paulus und die vier Evangelisten, allen voran der Evangelist Markus. Der sammelte die Geschichten von Jesus, soweit sie für ihn erreichbar waren, und ordnete sie. Aber er beliess die Jesusgeschichten nicht in mündlicher Form, sondern schrieb sie auf in der internationalsten Sprache jener Zeit, in der Koiné, einer überregionalen Gemeinsprache – einer Art Griechisch für Anfänger.
«Schön hat er geredet», sagte eine betagte Kirchgängerin im Anschluss an die Eröffnungsrede beim Apéro im Festzelt neben der reformierten Thomaskirche Biberist-Gerlafingen. Ja, und so deutsch und deutlich wie Luther vor 500 Jahren zu seinen Zeitgenossen. Oder so verständlich wie Jesus zu seiner Gemeinde vor 2000 Jahren. Oder wie es Knellwolf formulierte: Lebendige Gemeinde sei nicht an der Zahl der Veranstaltungen in einer Kirchgemeinde zu messen. Denn das christliche Leben spiele sich nicht hauptsächlich in der kirchlichen Gemeinde ab, sondern in der alltäglichen Welt.

Leitlinien für die Gestalt der christlichen Gemeinde
Jeremias Gotthelf, der sich einmal sogar um die Pfarrstelle in Messen bewarb, sagt (in «Anne Bäbi Jowäger», 2. Band, Kapitel 3) richtig, die Bibel müsse durch das Leben und das Leben müsse durch die Bibel ausgelegt werden. Dann bekomme die Bibel Leben und die Welt bekomme Hoffnung.
So ist es auch heute noch: Die Hauptsache der Verkündigung geschieht nämlich nicht im Gottesdienst und nicht durch die Predigt. Die Hauptsache der Verkündigung geschieht in der alltäglichen Welt, wenn eine Christin, ein Christ einen anderen Menschen auf ein Zeichen des kommenden Reiches Gott aufmerksam macht und es ihm zuspricht.
Weil es so ist, spielt sich das christliche Leben nicht hauptsächlich in der kirchlichen Gemeinde ab, sondern in der alltäglichen Welt. Lebendige Gemeinde ist also nicht an der Zahl der Veranstaltungen in einer Kirchgemeinde zu messen.
Im Anschluss an Knellwolfs engagierten Vortrag performte der international bekannte Pantomime Damir Dantes mit «König David».

«Vaterunser/Unser Vater»
Das christliche Mustergebet stand auch im Zentrum, als am Samstag, 10. Juni um 10 Uhr, im Kirchgemeindehaus Gerlafingen ein ökumenisches Thema aus berufenem Mund auf dem Programm stand: Unter dem Thema «Vaterunser/Unser Vater» lud der bekannte katholische und evangelische Theologe Fulbert Steffensky zur Bibelarbeit ein.
Die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes in der Thomaskirche vom 11. Juni, 10 Uhr, oblag Tanja Baumberger und fe-m@il. Grosses Interesse fand an diesem Sonntag mit seinen hochsommerlichen Temperaturen ebenfalls die von Christina Aus der Au und Ruedi Josuran «performte» Dialogpredigt.
Dass der Unterhaltungscharakter für alle Alterskategorien nicht zu kurz kam, dafür sorgten:
• der Tanz-Workshop mit Bewegungspädagogin Tamara Iaccarino und Diakonin Sue Sturzenegger (10. Juni, 10 Uhr, Thomaskirche)
• das grosse Kinderkonzert mit Andrew Bond (10. Juni, 15 Uhr, Mehrzweckhalle Lohn-Ammannsegg)
• der Chor des musischen Gymnasiums Solothurn, Leitung Thomas Fluor und Jürg Schläpfer (10. Juni, 20 Uhr, Thomaskirche)

Sämtliche Anlässe wurden auch kulinarisch begleitet, sei es mit einem Apéro oder dem Mittagessen am Samstag ab 12 Uhr in der Festwirtschaft Thomaskirche.


Die Idee – zum 5. Mal umgesetzt
Die Idee für einen Bezirkskirchentag entstand 2008 im Vorstand der Bezirkssynode mit dem Grundgedanken, eine Plattform für das gemeinsame Erleben der reformierten Identität über die örtlichen Kirchgemeinden hinaus zu schaffen. Nach 2009 (Grenchen), 2011 (Subingen), 2013 (Solothurn) und 2015 (Sternwanderung nach Arch) fand der beliebte Anlass bereits zum fünften Mal statt. Möge auch die 6. Ausgabe mit so himmlisch-geerdeten Begegnungen beseelt sein – im Schlüsseljahr der Zürcher Reformation mit Zwinglis Amtsantritt am Grossmünster im Jahr 1519.
Urs Scheidegger
Bereitgestellt: 28.06.2017     Besuche: 55 Monat 
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