Hören wir das Wort «Thron» und lassen die Geschichte all der Regenten Revue passieren, die wörtlich und bildlich auf dem Thron sassen und sitzen, fällt uns die Verbindung zu einem Gerechtigkeitsgedanken schwer. Doch lesen Sie, wie Pfarrer Christian Bürki die herrschaftliche Metapher vom Thron öffnet hin zu einem Verständnis von Gottes grösserer Gerechtigkeit.
«Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron der Herrlichkeit setzen.» – so sagt es das Matthäus-Evangelium (Matthäus 25,31). Vom Thron Gottes wird in der Bibel mit einer grossen Selbstverständlichkeit gesprochen und er wird in der Kunst dargestellt, allerdings nur unter respektvoller Andeutung des Göttlichen. Der Thron ist eine der vielen biblischen Metaphern, die uns helfen, Bilder zu finden für etwas, das eigentlich über unsere klar begrenzte Sprache hinausgeht. Metapherein – griechisch – heisst hinübertragen.
DER THRON GOTTES
UND DIE GRÖSSERE
GERECHTIGKEIT
Hinübergetragen werden mit der Vorstellung des Thrones in unserem Text zwei Inhalte: Zum einen Herrlichkeit, etwas Erhabenes, Königliches also, von dem vor allem jene träumen, die nicht daran Anteil haben. Von diesen Träumen lebt auch die Regenbogenpresse. Zum andern ist mit dem Thron die Vorstellung einer göttlichen Gerechtigkeit verbunden. Wir leben in Abhängigkeitsverhältnissen. Die Erfahrungen von Ungerechtigkeit, Willkür und der Missachtung grundlegen der Rechte sind verletzend. Wenn mit diesem kurzen Erdenleben nicht alles fertig ist, dann erscheint gemäss der Bibel Gottes grössere Gerechtigkeit, die alles Tun in ein neues Licht stellt. Nach Matthäus 25 wird es dann keine kleinliche Milchbüchleinrechnung guter und weniger guter Taten geben. Der «Menschensohn» auf dem Thron sagt schlicht: Ihr, die ihr den Bedürftigen geholfen habt, ihr habt Anteil an Gottes Herrlichkeit.
Pfarrer Christian Bürki
Mai 2019
Hier geht es zu allen
» "Auf den Punkt gebracht"