«Krönung der Schöpfung» meint, dass der Mensch das Göttliche auf Erden vertritt, schrieb Pfarrer Koen De Bruycker in der letzten Ausgabe. Nun wendet er sich der «Schöpfung» und ihren Geschichten zu und fragt: Was kann der Glaube an die andauernde Schöpfung Gottes heute, in Zeiten des Klimastresses, bedeuten und bewirken?
Am Anfang: Die Frage nach dem Ursprung des Lebens beschäftigt seit Menschengedenken. Auch die Bibel äussert sich dazu. Sehr bekannt sind die beiden Schöpfungsgeschichten am Anfang der Bibel, die Antworten zu verschiedenen Aspekten dieser Frage geben. Bei der Schöpfungsgeschichte in sieben Tagen liegt die Pointe darin, dass die Welt trotz aller Krisen eigentlich Gottes gute Schöpfung ist. Deshalb heisst es im ersten Kapitel der Bibel mehrfach: Gott sah, dass es gut war, sehr gut war. In der Geschichte von Eva und Adam ist die Hauptbotschaft dagegen, dass Gottes Schöpfung der Lebensraum für den Menschen ist. Sie setzt den Akzent beim Verhalten des Menschen und den Konsequenzen daraus.
Immer wieder: Neben diesen beiden Schöpfungsgeschichten ist in der Bibel immer wieder die Rede von Gott als Schöpfer. Dabei wird Gottes schöpferisches Wirken nicht auf den Anfang allen Lebens begrenzt. Die Psalmen, das Weisheitsbuch und das Prophetenbuch Jesaja beschreiben wiederholt Gottes schöpferisches Wirken in der Welt. Das Staunen über die Schöpfung stärkte damals den Glauben an Gottes Macht und Gottes Lenken der Geschichte. Der Glaube an Gott als gegenwärtige schöpferische Kraft stiftete Orientierung in schwierigen Zeiten und weckte Hoffnung für die Zukunft.
DIE WELT LIEGT
ALS SCHÖPFUNG
IN GOTTES HAND
Letztendlich: Und wir? Der Klimawandel und die verheerenden Folgen für die Schöpfung beherrschen seit Monaten die Nachrichten. Es ist schon fünf vor zwölf, falls die Menschheit die Welt noch retten will. Einerseits bewegt diese alarmierende Realität viele Menschen, sich aktiv für die Umwelt einzusetzen. Mit grossem Eifer versuchen sie, die Zerstörung unseres wunderschönen Planeten aufzuhalten. Andererseits lähmt diese schockierende Realität und es macht sich eine Untergangsstimmung breit. Der Glaube an die Welt als andauernde Schöpfung Gottes hilft in dieser Situation sehr und macht frei. Er motiviert, sich für die Bewahrung der Schöpfung zu engagieren ohne aus den Augen zu verlieren, dass die Welt letztendlich in Gottes Hand liegt.
Pfarrer Koen De Bruycker
September 2019
Hier geht es zu allen
» "Auf den Punkt gebracht"