Trinität: Interne Kommunikation, multiple Identität, Beziehungsgemeinschaft, urdemokratisches Prinzip? Die göttliche Dreieinigkeit wird immer wieder neu gedacht. Für viele bleibt sie aber unvorstellbar kompliziert. Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch schaut in die Entstehungsgeschichte der Trinitätslehre und öffnet einen Zugang, um die Dreieinigkeit des Göttlichen zu verstehen und zu erfahren.
Gespräch am Familientisch. Zwei Kinder im Primarschulalter diskutieren, wie Gott ist: «Gott ist so unendlich gross, dass Gott nur im unendlichen All Platz hat.» «Nein, Gott ist so klein, dass er in meinem Herzen Platz hat.» Zwei kindliche Vorstellungen. Doch welchem Kind würden Sie eher zustimmen: Ist Gott unendlich, unfassbar und ein Gegenüber für die Erde und uns Menschen? Oder wohnt Gott in jedem Herzen? Oder ist beides wahr, beides denkbar, beides haben Sie selbst schon so erfahren? Beides könnten sich die Kinder aus eigenem Erleben so überlegt haben. Beides könnten die Kinder auch in einem Gottesdienst oder im Religionsunterricht gehört haben. Denn jedes Kind bezieht sich auf je eine «Person» der Trinität, d.h. auf ein «Antlitz» oder eine Erfahrungsmöglichkeit des Göttlichen: das eine Kind spricht vom Göttlichen im Sinne Gott Vater, bzw. Gott Schöpfer, das andere spricht vom Göttlichen im Sinne von Gott Heiliger Geist.
Die Rede von einer Göttlichkeit, die dreieinig im menschlichen Leben erfahrbar ist, entwickelte sich in der Alten Kirche. Es klingt kompliziert: «drei-einig». Genügt ein Gott nicht? So kompliziert ist es nicht, wenn wir uns bewusst machen, wie die Lehre der Trinität entstanden ist. Alles begann mit dem Ringen, Jesu Tod am Kreuz zu begreifen: Wie kann Gott einen Menschen, der so sehr mit Gott verbunden und mit göttlicher Kraft erfüllt war wie Jesus von Nazareth, so schrecklich im Stich lassen? Nach Ostern festigte sich die Überzeugung, dass Jesus im Leid nicht verlassen war, sondern dass Gott selbst gelitten hat, dass Gott den ganzen Weg mitging, auch im Sterben, bis in den Tod. Sie stärkte die Hoffnung, dass das auch für uns gilt und Gott an unserer Seite bleibt, auch dann, wenn wir uns verlassen vorkommen: Gott bleibt ewiges und unfassbares Gegenüber und kann dennoch zugleich wahrhaft jeden menschlichen Weg mit uns gehen.
DAS GÖTTLICHE
IN UNS UND
ALS GEGENÜBER
Diese untrennbare Verbindung und Gleichzeitigkeit von einem Göttlichen als dem ganz Anderen und Gegenüber, der Begegnung des Göttlichen in und durch andere Menschen und das Verspüren der göttlichen Kraft im eigenen Herzen sind der Kern der Trinitätslehre.
Auch wenn die Rede von einer göttlichen Wesenseinheit in drei Personen uns fremd geworden ist, weil uns das griechische Denken nicht mehr so vertraut ist wie den Christinnen und Christen der Alten Kirche, dürften doch die drei Grunderfahrungen des einen Göttlichen vielen Menschen vertraut sein: kreative Schöpferkraft (Vater) – bedingungslose Liebe (Sohn) – Licht und Kraft in mir (Heiliger Geist). Die Frage, ob ein Gott nicht genüge, kann so beantwortet werden: Ja, ein Gott genügt. Aber es genügt nicht eine Erfahrung, um das Göttliche zur Sprache zu bringen. In allen drei Grunderfahrungen jedoch ist und bleibt Gott dasselbe und eine Göttliche.
Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch
Juni 2019
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