Liebe ist, wenn …» – die Cartoons von Kim Casali, am Valentinstag 1970 erstmals veröffentlicht, haben es, in tausend Variationen auf Tassen, Kissen und Kalender gedruckt, auf den Markt geschafft. Sie mögen gefallen oder rühren. Pfarrer Koen De Bruycker verweist dagegen auf den ersten Johannesbrief (4, 16): «Gott ist …» – eindeutig, aber offen und mit Belang.
Seit vierzehn Jahren predige ich in der reformierten Stadtkirche Solothurn. Ich laufe wie im Schlaf durch ihre vielen Räume und doch bleibe ich immer wieder im Gottesdienstraum stehen und blicke zur Brüstung der Empore hoch auf den eingravierten Bibelspruch, der mich inspiriert: «Gott ist die Liebe». (1. Johannes 4, 16). Es fasziniert mich, dass der Verfasser des ersten Briefes von Johannes Gott mit der Liebe gleichstellt. Ich denke schon lang über die Bedeutung dieses Bibelverses nach und möchte sein Geheimnis ergründen.
Mit Liebe verknüpfe ich an erster Stelle das stärkste Gefühl, das Menschen miteinander verbindet. Liebe ist die Quelle der schönsten Beziehungen im Leben von Menschen und das Stärkste, was ein Mensch empfindet. Deshalb ist es schmerzhaft, wenn eine Liebesbeziehung zerbricht, wenn die Liebe erlischt. Es hinterlässt tiefe Spuren. Der Mensch kann nicht ohne sie sein und sehnt sich sein Leben lang nach Liebe.
GOTT IST DIE LIEBE
Für den Verfasser des ersten Johannesbriefes bleibt dieses Gefühl aber nicht nur dem Menschen vorbehalten. Für ihn ist klar: Auch Gott empfindet Liebe. Die Sehnsucht nach einer Liebesbeziehung mit dem Menschen ist Gottes grösstes Verlangen. Es ist so gross, dass Gott Jesus zu den Menschen geschickt hat, um dieses Verlangen zu offenbaren. Selbst Jesu Tod ändert nichts daran. Jesu Auferstehung ist der ultimative Liebesbeweis am Menschen.
Gottes Wesen und Wirken ist so stark von Liebe bestimmt, dass der Verfasser des ersten Johannesbriefes denn auch meint: «Gott ist die Liebe!» Ist das nicht schön?
Koen De Bruycker
Pfarrer
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