Martina Jaggi

Glaubensbekenntnis

auf den punkt gebraht (Foto: Thala Linder)

Die Synode schaffte den Bekenntniszwang im 19. Jahrhundert ab, die Diskussionen über Bekenntnis-zwang und Bekenntnisfreiheit gehen jedoch weiter: Dogma versus credo? Einheit versus Vielfalt? Das Apostolische Bekenntnis oder viele verschiedene? Pfarrerin Beate Schiller sieht ab vom Entweder-oder.
«Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde ...» Mit diesem in der westlichen Christenheit verbreiteten Glaubensbekenntnis bin ich aufgewachsen. Auch wenn ich nicht alles verstand, fühlte ich mich beim Sprechen dieser alten Worte verbunden mit Generationen von ChristInnen vor mir und mit Menschen neben mir.

Das Apostolikum geht auf ein römisches Taufbekenntnis zurück, das als Identitätsmerkmal der ChristInnen im 2. Jahrhundert entstand. Ambrosius von Mailand nennt es das «Apostolische Glaubensbekenntnis». Diesen Namen verdankt es der Annahme, die Apostel hätten es formuliert. Das stimmt jedoch nicht. Seine Bekanntheit und Durchsetzung verdankt es der Kirchenreform durch Karl dem Grossen Anfang des 9. Jahrhunderts. Der Protestantismus lutherischer und reformierter Prägung hielt an den altkirchlichen Bekenntnissen fest.

BEKENNEN BRAUCHT AUSEINANDERSETZUNG,
KEIN VERBINDLICHES GLAUBENSBEKENNTNIS


In der Schweiz wurde das apostolische Glaubensbekenntnis in die Abendmahlsliturgie aufgenommen, und bis ins 19. Jahrhundert bestand der vorgeschriebene Brauch, bei Taufen mit den Worten des Apostolikums den Glauben zu bekennen. Nach theologischen Richtungs-kämpfen schaffte die Synode den Bekenntniszwang ab. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit und die Bibel gelten seither für die reformierte Kirche als einzige Basis.

Diese Bekenntnisfreiheit ist inter-national einmalig. Mich hat das fasziniert, denn mir hat eingeleuchtet, dass das Bekennen des Glaubens nicht im Sprechen traditioneller Bekenntnisse besteht, sondern stets neu erarbeitet und verantwortet werden muss – in der Spannung zwischen dem Hören auf die biblische Botschaft und dem Ernstnehmen drängender Gegenwartsfragen. Und doch stellt sich mir in den letzten Jahren die Frage, ob mit der Bekenntnisfreiheit nicht die Kultur des Bekennens verloren gegangen ist. Dazu braucht es kein verbindliches Glaubensbekenntnis, aber Auseinandersetzungen und Gespräche darüber, was wir glauben und wozu wir uns als ChristInnen hier und heute bekennen.

Pfarrerin Beate Schiller
Mai 2021



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