Die Auffassung von Wesen, Ort und Platz Jesu Christi ist eine Kernfrage theologischer Auseinandersetzung: Jesus Christus – ein Begriff, eine historische Figur, eine Brücke zu Gott? Pfarrerin Gabi Wartmann zeigt, warum sie «Christus» als Namen versteht und was dies für den gelebten Glauben, für Gottes- und Nächstenliebe bedeutet.
Jesus Christus sei ein Name, kein abstrakter Begriff, sagte Karl Barth einmal in einem Interview. Ist «Jesus Christus» ein Name, so ist er nicht einfach der Gründer einer Religion, eine historisch mehr oder weniger bekannte Figur. Ist «Jesus Christus» ein Name, dann wird er zum Du, zum Gegenüber. Er lässt sich dann bei seinem Vornamen «Jesus» rufen wie eine gute Freundin, ein guter Freund.
«Christus» als Namen und nicht als abstrakten Begriff zu verstehen, bedeutet, dass die Qualitäten, die mit dem Hoheitstitel «Christus» verbunden sind, jedem und jeder gilt, die diesen Namen anrufen. Denn das ist es, was «Christus» ist: Ein Hoheitstitel! Christus, eigentlich Christos, ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes «Messias». Und Messias meint: Da kommt ein von Gott Gesalbter, um zu retten, zu erlösen und Frieden zu stiften.
Entstanden sind diese Messias-Vorstellungen, nachdem das Königtum im alten Israel im 6.Jh.v.Chr. unter-ging. Zuvor nannten die Israeliten ihre weltlichen Könige «Messias». Dann kam das babylonische Exil. Und der Begriff Messias, der als Hoheitstitel allen Königen verliehen wurde, wurde zum Namen des einen Retters, auf den man wartete. Propheten wie Jesaja und Ezechiel träumten weit weg von daheim von diesem Messias. Er würde Frieden bringen, dem jüdischen Volk und allen Menschen. Einen Frieden, der die ganze Schöpfung umfassen, allem Leid ein Ende machen und allen Menschen Heimat schenken wird.
JESUS CHRISTUS
IST EIN NAME,
EIN GEGENÜBER,
EIN DU
Die ersten Christen und Christinnen erkannten in Jesus den ersehnten Messias. So wurde Christus sein zweiter Name. Was die ersten Christen und Christinnen erlebten, erleben Menschen bis heute: Jesus ist ein Du, ein Gegenüber – kein Begriff, sondern ein Name. Christus geht mit uns, zeigt sich uns – im Gebet, im Lesen der Bibel, in der Meditation. Er zeigt sich als derjenige, der tiefen Frieden schenkt und Heimat und Rettung aus dem, was uns entfernt von uns selber, dem Nächsten und Gott. Darum beten viele Menschen das Herzensgebet: Sie verbinden den Namen «Jesus Christus» mit ihrem eigenen Atem, atmen den Namen Jesus Christus ein und aus, richten sich auf ihn aus und lassen sich so schenken, was sie zum Leben brauchen.
Pfarrerin Gabi Wartmann
April 2020
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