Dienen als Hingabe und Hilfe, dienen als Unterwerfung und Plackerei? Herrschaften und Gesellschaft, Staat und Wirtschaft waren stets an Dienenden interessiert. Und auch wer dem Herrn diente, kannte das Machtgefüge. Pfarrer Koen De Bruycker verlässt diese Endlosschlaufe und fragt: Könnte Jesu Verständnis des Dienens die SelbstoptimiererInnen vor Erschöpfung retten?
In der Vergangenheit hatte das Dienen eine grosse Bedeutung im Leben vieler Menschen. Ihre persönlichen Lebensziele waren dem Staat, der Religion, der Familie oder einem Mitmenschen untergeordnet. Manchmal freiwillig, oft ohne Mitspracherecht. Die Bedürfnisse des Individuums mussten «höheren» Zielen, Traditionen und Gepflogenheiten weichen. Wie viele Männer haben im Militärdienst während des Kriegs ihr Leben gelassen! Wie viele Frauen sind als Lehrerin wegen des Zölibats im Schuldienst gezwungen worden, ledig zu bleiben!
HAT DAS DIENEN
AUSGEDIENT?
In modernen Lebensentwürfen spielen die eigenen Ziele und Wünsche eine grosse Rolle. Der heutige Mensch will sich selbst verwirklichen. Er und sie möchten die individuell gegebenen Möglichkeiten und Begabungen möglichst umfassend ausschöpfen. Dazu haben sie hier-zulande eine wunderbare Freiheit, von der Menschen in anderen Ländern erst nur träumen können. Die Selbstoptimierung birgt aber auch Gefahren: Wer kennt schon seine eigenen Talente? Die Suche nach seinem wahren Ich kann einen Menschen in die Irre führen und erschöpfen.
JESU VERSTÄNDNIS
ALS GEGENENTWURF
Für Jesus gingen der eigene Lebensentwurf und das Dienen Hand in Hand, ja, Dienen war der eigentliche Lebensentwurf. Seine Lebensaufgabe, das Reich Gottes unter die Leute zu bringen, verstand er als einen Auftrag von Gott. Jesus diente Gott und der Welt durch sein Auftreten und fand so Erfüllung im Leben. Liegt für uns freie Menschen in Jesu Verständnis vom Dienen nicht der Schlüssel zu einer Selbstverwirklichung, die erfüllt statt erschöpft? Für mich schon!
Pfarrer Koen De Bruycker
Juni 2020
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