«Dein Reich komme», diesen Satz aus dem «Unser Vater» haben alle christlich sozialisierten Leute im Ohr. Für viele gehört er einfach zum Kulturgut, wenige setzen ihn absolut ein, anderen kommt er in den Sinn, wenn Sehnsucht ruft. Die Bitte verschieben, wäre schade, sagt Pfarrer Koen De Bruycker. Denn es geht um uns, hier und jetzt.
Wenn ich das «Unser Vater» bete, wird es mir bei der Bitte «Dein Reich komme» immer wieder warm ums Herz. Dann spüre ich eine tiefe Sehnsucht nach einer Welt, die frei ist von Gewalt und Ungerechtigkeit und in der die Erde nicht zerstört wird. Die Bitte lässt mich erfahren, dass es nicht um die Sehnsucht nach einer fernen Zukunft geht, sondern um das Jetzt, dass die Welt sich nicht einfach in Endlosschlaufe weiterdreht. Die Bitte tut mir auch seelisch gut. Sie befreit mich von einer grossen Last, die ich als Mensch nicht tragen kann, nämlich die Welt zu retten. Denn letztendlich, und zum Glück, liegt das Kommen einer neuen Welt nicht in den Händen von uns Menschen.
Diese neue Welt heisst in der Bibel und im «Unser Vater» Reich Gottes. In Jesu Gleichnissen ist immer wie-der davon die Rede. Dies ist kein Zufall. Jesus versteht sich nicht als Sozialrevolutionär, der die Welt verbessern möchte. Er empfindet es als seinen Auftrag zu verkündigen, dass das Nahen des Reichs Gottes in seiner Person in die Welt gekommen ist. Auch wenn wir Menschen es nicht sehen, Jesu Antwort auf die Frage des Pharisäers, wann denn das Reich Gottes komme, sagt alles: «Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äusseren Anzeichen erkennen kann. Man wird nicht sagen können: Schau her, hier ist es! Oder dort ist es! Denn seht: Das Reich Gottes ist schon da – mitten unter euch.» (Lukas 17, 20–21)
DAS REICH GOTTES
= DIE FROHE BOTSCHAFT
Es ist kaum zu glauben, aber trotz der harten Realitäten auf der Welt ist das Reich Gottes schon im Werden begriffen. Die Weltgeschichte nimmt nicht einfach ihren Lauf, sondern steuert auf ein Ziel zu: Auf die neue Welt, die nicht menschlichen Massstäben folgt und in der nicht Macht und Gewalt regieren, sondern Gott das letzte Wort hat.
Pfarrer Koen De Bruycker
Juli 2020
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