Ist die Kirche ein Auslaufmodell? fragt Pfarrer Koen De Bruycker im letzten Beitrag der Serie «Theologische Begriffe auf den Punkt gebracht»? Seine Antwort ist eine Doppelfrage: Wer baut auf und worauf bauen wir?
Seit Jahren sehen sich die reformierten Landeskirchen mit einem bedeutenden Mitgliederschwund konfrontiert. Sie versuchen, diesen Negativtrend aufzuhalten und ihre Angebote attraktiv zu gestalten, damit die Mitglieder bleiben und neue Anschluss finden. Trotz aller Bemühungen ist der zahlenmässige Erfolg aber minimal. Trotz Aktivismus und einer Fülle an kreativen Ideen und neuen Formen will die Wende nicht einsetzen. Diese Realität gibt zu denken und vermittelt das Gefühl, dass die reformierten Volkskirchen in der Schweiz ein Auslaufmodell sind.
Es gibt aber Hoffnung. Kollege Res Tanner hat vor Kurzem an einer Sitzung einen Text von Dietrich Bonhoeffer gelesen, der eine neue und ermutigende Sichtweise auf die Kirche offenbart. So hat der deutsche Theologe am 23. Juli 1933 Folgendes über die Kirche gepredigt:
«Aber nicht wir sollen bauen, sondern Er will bauen. Kein Mensch baut die Kirche, sondern Christus allein. Wer die Kirche bauen will, ist gewiss schon am Werk der Zerstörung. Denn er wird einen Götzentempel bauen, ohne es zu wollen und zu wissen. Wir sollen bekennen – Er baut. Wir sollen verkündigen – Er baut. Wir sollen zu ihm beten – Er baut. Wir kennen seinen Plan nicht. Wir sehen nicht, ob er baut oder ein reisst. Es mag sein, dass die Zeiten, die nach menschlichem Ermessen Zeiten des Einsturzes sind, für ihn die grossen Zeiten des Bauens sind, mag sein, dass die menschlich gesehen grossen Zeiten der Kirche Zeiten des Einreissens sind. Es ist ein grosser Trost, den Christus seiner Kirche gibt: Du bekenne, verkündige, zeuge von mir. Ich allein aber will bauen, wo es mir gefällt. Fahr mir nicht ins Regiment. Kirche, tu du das Deine recht, dann hast du genug getan. Aber tu es auch recht.» (Dietrich Bonhoeffer: Werke, Band 12: Berlin 1932–1933, hrsg. v. Carsten Nicolaisen und Ernst-Albert Scharffenorth, München 1997, S. 465–470)
DIE KIRCHE IST NICHT EIN PRODUKT
Die Botschaft von Bonhoeffer spricht mir aus dem Herzen. Sie entlastet die Kirchen vom Gefühl, für ihre Zukunft zuständig zu sein, und befreit sie vom Machbarkeitswahnsinn, der heute in der Gesellschaft herrscht: Die Kirche ist nicht ein Produkt, das wir Menschen herstellen. Ihre Zukunft liegt letztendlich in Christi Hand. Zum Glück!
Pfarrer Koen De Bruycker
Juli 2021
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