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Stadtkirche Rundgang Nr. 5: Orgel

Über der Kanzel befindet sich die Orgelempore. Die Orgel der Stadtkirche gehört zu den wenigen erhaltenen grossen Instrumenten im spätromantisch-symphonisch-impressionistischen Stil. Die ursprüngliche Disposition wurde hauptsächlich vom Solothurner Orgelspezialisten Ernst Schiess entworfen. Er zog den bekannten Arzt und Organisten Albert Schweitzer bei, der später über die Solothurner Orgel schrieb: "Es ist eine Wonne, auf solch einem Instrument zu spielen..."

Das ursprüngliche Orgelwerk umfasste im ersten Manual 14, im zweiten Manual 11, im dritten Manual 13 und im Pedal 8 klingende Register. Hinzu kamen 3 Pedaltransmissionen, 1 Auszug im Pedal und 1 Kollektivregister. Insgesamt verfügt die Orgel über 3'154 klingende Pfeifen.

Am 9./11. Januar 1924 wurde die Lieferung der Orgel für den Preis von 52'000 Franken – inklusive elektrischem Gebläse – nach einem bis ins Detail präzisen Vertrag an die Firma Th. Kuhn in Männedorf übertragen. Heute hat die Orgel einen Gebäudeversicherungswert von rund 2,5 Millionen Franken.

Im Laufe der Jahre wurde der ursprüngliche Charakter mehrfach verändert. Die sogenannten Orgelbewegungen führten zwischen 1938 und 1959 zu Eingriffen im Sinne einer "Barockisierung".

2004 beschloss die Kirchgemeinde, das Instrument in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Die Arbeiten wurden von der Erbauerfirma Orgelbau Kuhn AG, Männedorf, durchgeführt und 2007 abgeschlossen.

Während der Totalsanierung 2024/2025 musste die Orgel teilweise abgebaut und sorgfältig verpackt werden. Da eine Orgel etwa alle 20 bis 25 Jahre umfassend saniert werden sollte und das Instrument über längere Zeit nicht gespielt werden konnte, wurde nach Abschluss der Kirchensanierung die nächste Totalsanierung in Angriff genommen.

Allerdings konnte die Orgel zur Wiedereröffnung der Kirche nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Beim Ausbau der Pfeifen stellte sich heraus, dass ein grosser Teil der 2006 erneuerten Taschenventile (Membranen) Mängel aufwies. Rund 1'000 Stück mussten neu produziert werden, doch die damalige Herstellerfirma war inzwischen insolvent. Glücklicherweise konnten Restbestände mit den benötigten Federn aufgekauft werden. Trotzdem verzögerten sich die Arbeiten um rund zwei Monate, sodass die Arbeit an der Orgel erst Ende September/Mitte Oktober beendet werden können.
Taschenventile Orgel (Foto:  Verwaltung)

Anschliessend sollte die Orgel wieder so klingen, wie es 1926 im Buch "Die Reformierte Kirchgemeinde Solothurn und der Bau ihrer neuen Kirche" beschrieben wird:
«Die neue Orgel bevorzugt hauptsächlich die guten Klangeigenschaften der alten klassischen Meisterorgel, den spezifisch orgelmässigen Ton. Die Hauptvorzüge dieses Systems sind: Wahrung des orgelmässigen Klanges der Grundstimmen, Bau zahlreicher, aber weich gehaltener Oberstimmen und Mixturen, welche sich mit den Grundstimmen gut verschmelzen, durchwegs massvolle Intonierung in Bezug auf Stärke, Verwendung, Disponierung und Intonation der Charakterstimmen, in allen Lagen klare und unaufdringliche Wirkung des vollen Werkes.»
Bereitgestellt: 29.08.2025    Besuche: 13 Monat            Datenschutz