Im Mai 1923 stellte die Kirchenpflege der Kirchgemeindeversammlung den Antrag, vier neue Glocken für 60'000 Franken anzuschaffen. In Anlehnung an das Geläut der St.-Ursen-Kathedrale sollten die Glocken in As – C – es – f erklingen.
Völlig unerwartet wurde den Mitgliedern der Behörde wie auch der ganzen Kirchgemeinde im Gottesdienst zum 4. Advent 1923 mitgeteilt, dass ein ungenannter Gönner nicht nur diese vier, sondern gleich sechs Glocken stifte – «zum ewigen Gedenken an eine gute Mutter».
Der Gönner verfügte, dass sein Name erst bei seiner Beerdigung bekanntgegeben werden dürfe. Es handelte sich um Emil Brunner, Direktor der «Malzfabrik & Hafermühle Solothurn».
Da nun sechs Glocken im Turm Platz finden mussten, wurde der Aufgang zum Turm in die heute bestehende enge Wendeltreppe abgeändert.
Die sechs Glocken der Stadtkirche sind:
As-Glocke (5'000 Kilo): «Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.» (Luk 2,14) – sowie der ausführliche Text zur Schenkung.
C-Glocke (2'500 Kilo): «Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark.» (1. Kor 16,13)
es-Glocke (1'450 Kilo): «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» (Joh 14,16)
f-Glocke (1'050 Kilo): «Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.» (Hebr 13,8)
as-Glocke (620 Kilo): «Es bleibet Glaube, Hoffnung und Liebe, diese Drei!» (1. Kor 13,13)
c-Glocke (300 Kilo): «Die Liebe aber ist die groesste unter ihnen!» (1. Kor 13,13)
Die vier grossen Glocken tragen zudem von Meili entworfenen ornamentalen Schmuck:
As-Glocke: Engelreigen mit Solothurner Wappen
C-Glocke: Symbole des christlichen Glaubens und Lebens (Taube, Fisch, Schmetterling)
es-Glocke: die beiden Symbole des Abendmahls (Aehre und Traube)
f-Glocke: der schreitende Saemann mit Lutherrose (Lutherwappen)
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